Nummer 5 lebt!

Triathlon in Roth. Warum eigentlich?

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Man, these decals feel sooo PRO 😉 !

Zunächst ist Roth eines der Monumente im Triathlonsport – ich behaupte mal, darüber kommt nur Hawaii. 2014 habe ich mir das als Supporter mal angeschaut und für gut befunden. Ausserdem: … weil ich es kann!
Zumindest habe ich gleich nach dem Zieleinlauf beim Ironman Lanzarote festgestellt: so ein Mist, das liegt mir ja. Und nachdem Lanzarote ja eher ein „Brett“ ist als härtester Ironman der Welt – und ich extrem konservativ, fast touristisch durch das Rennen dort bin – war es natürlich ein schlauer Schachzug, als nächstes die schnellste a.k.a. „leichteste“ Ironman-Distanz anzugehen, dieses mal unter sportlichem Aspekt, also das Rennen wirklich zu „racen“.
Vor allem der Marathon sollte ein echter Dauerlauf werden und kein betreutes Wandern mit Jogging-Einlagen – aber dazu später mehr.

Im Rennen werden sechs Zwischenzeiten genommen und mit dem bescheidenen Ziel, alle sechs zu unterbieten ging es dann Freitags ins Triathlon-Mekka ROTH.

Vorbereitung

… ging so.
Roth sollte ja sportlich werden doch mein Vorhaben, das Training zu steigern – auf so gute 7 Stunden pro Woche – ist an meiner Rippenprellung im Januar gescheitert. Gefühlt war ich die letzten Wochen unzureichend fit, die Trainingswerte waren aber besser als 2014.
Der letzte Test – Belastung-EKG kurz vor dem Wettkampf – war „eigentlich supi“. Also ab zum Roulette-Spiel, einfach so tun als wäre alles gut… abgerechnet wird im Ziel.

Ankommen

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Triathlon ist braun-weiss! Aber sowas von!!

Meine Holde war ja stets genervt wenn wir gemeinsam in all den Jahren die A6 entlangfuhren und mein Reflex bei der Fahrt über den Rhein-Main-Donau-Kanal kam:
„guck mal, da unten…“ – „Jaa, Jaa, ich weiß. Lände, Laufstrecke, Mekka, eines schönen Tages…“
Irgendetwas ist da eben. Selbst jetzt, wo es soweit war hatte ich beim Blick auf den ultimativen Beweis, dass Triathlon braun-weiß ist wieder Pipi in den Augen…
Übernachten war in Wendelstein, ein Tipp von Vereinskollege Harald. Triathletendichte: 0,8% – perfekt. Ich liebe diesen Sport aber im Allgemeinen kann man mich mit Triathleten jagen. Obwohl ich selbst einer bin – bzw. so was ähnliches. Meine Frau war letztes Jahr beim Firmentraining vor dem Heilbronner Triathlon mal mitlaufen und kam mit der Erkenntnis zurück:
„Diese Triathleten, was sind das für Voll-Honks – die gehen ja gar nicht. Ich dachte immer, die wäre alle so wie du!“

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26 ain’t dead!

Freitag war auch die offizielle Pasta Party, die ich natürlich geschwänzt habe. Startkram geholt (Hurra, endlich mal ein Rucksack! Oh, ein Startnummernband! Eine Radflasche! Manche Sachen braucht man echt nicht kaufen. Und daheim bekomme ich wieder geschimpft wenn ich das ganze Geraffelt anschleppe…).
Dann schön daheim geblieben, ich musste ja auch mal die Ausschreibung lesen 😉
Ausserdem wollte Mr. Junior Gong, mein Wettkampf-Rad in der Endstufe der Rastafarisierung, noch hergerichtet werden 🙂 Ich habe noch zwei weitere 26 Zöller in der Wechselzone gefunden, so habe ich mich nicht als „last Oldschooler standing“ fühlen müssen.

Samstag

Kein Reggae, trotzdem gut!
Kein Reggae, trotzdem gut!

Vorbereiten, Vorbereiten, Vorbereiten.
Marschtabellen bereitstellen, Ernährungsplan ausrechnen und Versorgung sicherstellen – ich bin Selbstversorger und vertraue auf der Strecke nur Wasser und Bananen.
Ansonsten Chillen und die FCSP Triathlon Rudelbildung um 16:30 Uhr, was lustig endete – ich kam gerade um die Ecke, als der DJ beim Bike-Check-In die 12 Glockenschläge von AC/DCs Hells Bells erklingen liess – Zufall oder Spontanreaktion auf die braun-weiße Horde vor dem Bierstand?
Zumindest gibt es wohl keine besseres Szenario als die Heimspiel-Einmarschmusik unserer Boys in Brown fürs Gruppenfoto geliefert zu bekommen – womit es natürlich ein Gruppen-Video wurde (sorry for hochkant – das ist der Hektik vor Ort geschuldet). Gänsehaut pur!!!

Danach Dinner mit den Kollegen beim Mexikaner – dabei dem Wunsch von Edel-Supporter Sebastian entsprochen, 2016 mal in einer FC St. Pauli Staffel ins Rennen zu Roth zu gehen: Exilant Harald als Schwimmer, Mic radelt, Basti rennt – läuft bei uns! Und zack, war die Vorfreude auf’s nächste Jahr da – aber Moment, da war ja noch ein Rennen… in ein paar Stunden *schluck* !

Sonntag – RACE DAY

Schwimmen
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Rother Kanal morgens vor Sieben. Man beachte die Brücke!

Am Schwimmen hängt mein Ego ja nicht so – irgendwie um 1,5 Stunden reichen mir auch, bin ja kein Streber.
Der Strecke haben eigentlich nur noch die Kacheln am Boden gefehlt, einfacher geht nicht!
Die ersten 1500 Meter zur Wende waren schnurstracks geradeaus und leider hektisch, was trotz 200er Startgruppen nie auszuschließen ist. In Kombination mit der aufgehenden Sonne auf die direkt zugeschwommen wurde habe ich nicht wirklich meinen Rhythmus gefunden aber mich auf die 2 km Rückweg gefreut.
Dort begann ich mich im mild-warmen, glatten Wasser richtig wohlzufühlen und dachte spontan an den Borås Swimrun – verglichen dazu war hier das Wasser einen knappen Meter glatter und elf Grad wärmer 🙂 !
Gegen Ende der Geraden dann pures Stadionfeeling, schon frühmorgens hört man den Jubel der Supporter und gegen Ende hatte ich ein Erlebnis der unbekannten Art: ich begann, andere Schwimmer zu überholen. Eine Premiere!
Dann bei immer lauter werdender Kulisse unter der Brücke durch, 2. Wende und noch knapp 500 Meter – schon war ich wieder an Land nach den gedachten 1,5 Stunden – passt! Mir doch wurst ob ich 5 oder 10 Minuten schneller hätte schwimmen können – es war sehr entspannt bei Puls 122 und ein schöner Start in den Morgen.

Radfahren

Die Radstrecke kannte kannte ich von meiner Erkundung im Mai und wirklich schwer ist sie ja auch nicht. Plan war, schön mit etwas Speed durchzucruisen, mich sauber zu verpflegen und die Stimmungsnester voll mitzunehmen.
Also ab und runterrollen an die Biermeile Eckersmühlen, dort „Bella Figura“ vor den Fans machen und Anlauf nehmen für den

Solar Hill - Tour de rance der Triathleten. (Quelle: Hilpoltstein.de)
Ach du Sch…!!! Solar Hill – Tour-Feeling pur. (Quelle: Hilpoltstein.de)

Kalvarienberg bei Greding. das macht schon Laune und nach den letzten versprenkelten MPROs (männliche Profis) kam das Motorrad und die spätere Siegerin Ivonne van Vlerken an mir vorbei. Ich dachte mir „na soo schnell zieht die jetzt auch nicht vorbei“ und ausserdem war es am Eingang zur „Autobahn“, die 11-12 wind-begündtigten Km vor Gering also ab dafür und in fairen Abstand die nette Holländerin verfolgt.
Nach 4-5 Km kam ich dann auch wieder zur Vernunft und ließ sie ziehen, aus braun-weißer Sicht spülte mich das an Fabian heran und es begann ein Katz-und-Maus-Spiel mit 6-8 gegenseitigen Überholungen. Nett 🙂 Daraufhin blieb ich auf Sicherheitsabstand, denn Fabi schien einen guten Plan zu haben.
Zwischendurch kam noch Kollege Jan heran- und vorbeigebrettert, aber wir sollten uns nochmal sehen.
Den Solarer Berg mag ich gar nicht beschreiben – das geht sowieso nicht – das ist ENDSTUFE!!
Dann Km 100, im Niemandsland zwischen Eckersmühlen und Greding meldeten sich meine Kniescheiben (habe chronische Schleimbeutelentzündung) erst links, kurz darauf rechts und mit diesem Winter-Phänomen war mein Rennen dann eigentlich vorbei (man stelle sich einen Messerstich in die Kniescheibe vor *autsch*).
Zeit zum Umplanen!
Hier der Plan: mit Verve und „casually deliberate“ nochmal den Kalvarienberg in Greding hochfliegen, den Solarer Hügel (ist ja nicht wirklich ein Berg) und die Biermeile Eckersmühlen ein letztes Mal genießen und heim in T2 rollen, dann neu überlegen.
Die Realität: Defekt am Umwerfer, ab in die Mechanikerbox, dort Jan wieder getroffen, heimrollen bis km 157, dann war das Rennen tatsächlich vorbei – zumindest nach meinem Radcomputer, der den Meter-Zähl-Dienst dort spontan eingestellt hatte.
Nicht so schlimm, ist ja nicht mehr weit und ich wusste, ab Eckersmühlen sind es noch gut 10 km. Oder 20? OK das war doof, ich habe die Mitfahrer nur so lange nach KM-Angaben gefragt bis mir die unterschiedlichen Aussagen zu doof wurden.
Bei der Abfahrt nach Roth nochmal komplett den Körper durchgewässert / gekühlt und plötzlich waren es noch wenige hundert Meter bis ins Radziel, also flugs die Schuhe beim Radeln ausgezogen und angebremst auf die freundlichen Helfer. Einschub: frisch gewässerte Carbonfelgen bremsen… fast gar nicht! Gott sei Dank habe ich niemand umgenietet, aber da mussten ein paar Leute kurz zur Seite hechten. Sorry :-)!!!
Ziel-Puls PERFEKT getroffen auf den ersten 100 km (132, yay!), danach beim „cruisen“ lockerer 127er Puls (bissi lahm)

Laufen

Ab in T2, und abseits der Knie war die Welt an sich ziemlich in Ordnung!
Das Wetter war warm und sonnig und wurde langsam sehr warm, es war stürmisch auf der Radstrecke aber OK (hab ich ja in Lanzarote geübt höhöhö ;-)…), die verpasste Schwimm-Bestzeit war mir wumpe (bitch please…), T1 war Rekord, Radfahren sowieso und ich kam gut unter acht Stunden im Wechselzelt an. Das ist wichtig, bedeutet es doch über 7 Stunden Zeit für den Marathon falls nur Wandergeschwindigkeit möglich wäre. Ausgiebig eincremen liess ich mich auch noch (habe ich schon erwähnt, dass Roth die besten Helfer hat?) denn es versprach ein heisser Marathon zu werden.

Vor dem Rennen wird man ja immer gefragt was man sich vornimmt und ich hatte zwei Antworten:
a) Sicherstellen, das ich unter 15 Stunden bleibe um den Cut-Off zu schaffen und über 11 Stunden zu bleiben um später noch etwas Luft zum Steigern zu haben 🙂
b) ich würde gerne mal einen Marathon durchlaufen.

ca. 500 Meter. Soweit kam ich joggend bis mich die Knie umbrachten. Der klassische Plan B „Laufen von Verpflegung zu Verpflegung“ war damit schon hinüber. Wandern sollte auch nicht sein (ich wollte ja mal sportlich sein an diesem Tag) also neue Ziele gesucht.
Achja – Marathon-Bestzeit! Dummerweise fiel mir meine nicht ein… 5:13? 5:06?? naja irgendwas unter fünf halt… da beschloss ich einfach, auf Edelfan Sebastian zu warten. Ihn hatte ich letztes Jahr in Roth noch angemacht wegen seiner Wampe – und er mich am Vortag wegen meiner! Denn seine war weggeschmolzen (dieser Streber!) und meine da, wo sie immer ist getreu dem Motto „Langdistanz braucht Substanz“. Er fand sich denn auch nach ein paar Kilometern und ich konnte ihn endlich nach seiner Zeit beim Marathondebüt in Hamburg fragen – 4:54h. Alles klar – dem zeige ich’s!

Edelfan Sebastian & Humpelbein Mic
Edelfan (und „Mission Target“) Sebastian & Humpelbein Mic

… so ich denn kann. Zum Rechnen einfach – ein 7-Minuten-Schnitt pro km – gab ich mir km 5 bis 10, um auf „Reisegeschwindigkeit“ zu kommen. Zwischen km 10 und 15 wurden die Knieschmerzen dann etwas besser und ich kam beim nächsten DJ am nächsten Hotspot vorbei, der gerade Volksmusik spielte – worauf in dort schön hineigeschunkelt bin und erstmal eingehakt habe für eine kleine Tanzeinlage – Spaß ist schließlich das Wichtigste!
Verpflegung lief, der FC St. Pauli Support machte einen großartigen Job und bei km 21 konnte ich endlich stehenbleiben.
YESSS! Mit zwei Minuten Puffer auf die angepeilten 4:54 zur Halbzeit.
Also heimgejogged. Man hat ja Zeit, ich war nie unsicher und hatte alles unter Kontrolle (ausser Knie & Normalgeschwindigkeit) und wenn ich laufe, gewinne ich auch an Strecke.
Natürlich kommt man da auf dumme Gedanken…

  • wieviele Min. benötige ich noch als Puffer für Albernheiten & ausgedehnten Zieljubel?
  • warum nicht den „Negative Split“ versuchen? Das bedeutet, die 2. Hälfte des Laufs schneller als die erste zu laufen.
"war was...?" Foto: Ilona Müller
„war was…?“ Foto: Ilona Müller

Und da ich knapp 20 schmerz-verminderte Kilometer hatte habe ich das dann auch gemacht, am Hotspot KM 27/32 hat der DJ bei annähenden St. Paulianern auch prompt die Helden angekündigt und auf passende Mucke gewechselt – Rock’n’Roll! – ausserdem war Ilona dort als letzter braun-weißer Aussenposten an der Labestation positioniert und machte nette Fotos 🙂

bei km 38 Kollege Ingo überholt („Kommst mit, gemeinsamer Zieleinlauf?“ – „Ne danke, ich gehe mit meinem Freund hier rein“) und bei km 39 von einem Radler angehalten worden – „Mic warte auf Ingo, er hat sich’s anders überlegt“.
Cool! So kann man wieder mal stehenbleiben und ich ging ein paar Meter zurück auf der Marathonstrecke (gibt das eigentlich Bonuspunkte?) und kaum war Ingo da, ging’s ab!
Es geht die letzten zwei Kilometer durch die Rother Altstadt in einem Kanal aus Bierbänken und ich meine, die Walküre gehört zu haben als zwei braun-weiße Athleten Seit an Seit den finalen Triumphlauf starteten. Um km 30 herum war ich schon „normal“ unterwegs mit ca. 5:30/km, hier kamen wir um Km 40 herum auf aberwitzige 4:40/Km. Da musste ich den Kollegen doch mal bremsen bzw. beruhigen, dass wir noch eeewig Zeit haben (ich war inzwischen bei 9 Minuten Puffer angelangt) und sein Sub-13 Finish easy drin ist.
Passenderweise standen dann auch schon zwei nette Franken mit Bierhumpen vor uns und haben uns auf einen kräftigen Schluck eingeladen. So lecker!! Puls-Schnitt Marathon: 123 hihi 🙂

Dann Sebastian kurz vor dem Ziel abgepasst, Vereinsfahne übernommen, Konkurrenten vorbeigelassen (man sollte ja nicht den Anderen den Zieleinlauf mit seiner eigenen Show versauen) und: Hier kommen sie!

YOU NEVER WALK ALONE!
YOU NEVER WALK ALONE!

Das wars auch schon 🙂

after Race

erinnere ich wenig. War dann doch anstrengend, ich habe sogar das Feuerwerk geschwänzt, auf das ich mich so gefreut habe.
„Nummer 5 lebt“ bezieht sich auf die letzte Ziffer der Startnummer, die am Oberarm noch übrig war (und meine Lieblingszahl ist). Bin einfach tot ins Bett gefallen, denn

a) musste ich früh raus, um ab 8 Uhr den Startplatz 2016 für Kollegen Patti zu sichern und
b) nur noch sechs Tage bis zu meinem (emotionalen) Saisonhöhepunkt, der Sprintstaffel bei ITU Triathlon Hamburg mit Frau & Tochter 🙂

Jetzt ist Off-Season… hoffentlich komme ich auf keine neuen Dummheiten. Und wie auch bei Lanzarote ist bereits klar:

I'LL BE BACK.
I’LL BE BACK.
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