#WESWIMRUN !

„Wer übt, ist feige.“ – unbekannter Poet

Bildschirmfoto 2015-03-15 um 21.20.45Hat etwas gedauert bis zu diesem Blogeintrag. Es musste körperlich und psychisch erstmal einiges verarbeitet werden…

Angenehme Anreise am Donnerstag vor dem Rennen – vom schönen Kronberg im Taunus ging es nach Göteborg mit Schwimmflügelchen und anderen Auftriebs-Basteleien, Equipment für den großen Tag:

  • Laufschuhe
  • Kompressionsstrümpfe
  • Swimrun-Anzug
  • 3 mm Neoprenkappe
  • Schwimmbrille
  • eine Buddel Wahnsinn
  • ca. 1,8 Quadratmeter Luftpolsterfolie a.k.a. ASD = „Ass Saving Device“

„King Arthur“ kam etwas später aus Amsterdam an (hatte aber vergessen, was zu Rauchen mitzubringen tststs…), Mietwagen geholt – natürlich der große Volvo mit allem Schnick und Schnack – und ab nach Boras. Nachdem ich das Auto mit all seiner Featuritis mal verstanden hatte.

Die Campinghütte war genau richtig – und ja, es sah aus wie im Ikea Katalog – und hatte auch eine Sauna zu bieten.

Wir sind dann ab zum Öresjö – so heißt der still ruhende See – um im Renn-Equipment den ersten Laufabschnitt zu bergsteigen. Wir haben uns zwar verlaufen aber doch einen Eindruck von den anstehenden Höhen bekommen: „Smart people walk the start“ – inoffizielles Race-Motto bei 1100 Höhenmetern vor uns.
Arthur liess sich eine kleine Abkühlung im See nicht nehmen. Scheint frisch gewesen zu sein.

Swimrun Training

Swimrun ist ja ein Teamsport, wo man eingeschwungen mit seinem Partner startet und das gemeinsame Wechseln der Disziplinen übt, wie hier mit dem aktuellen Swimrun-Überflieger Nicolas Ramires beschrieben.

So „ähnlich“ haben wir es auch gemacht.

  • Ein Mal haben wir uns für eine knappe Stunde live getroffen auf der Reeperbahn
  • Wir waren jeweils etwas im Hallenbad
  • Wir waren etwas joggen – Arthur seine 10-Stunden-Trainingsläufe für den Zugspitz Ultra, ich meine üblichen „ein Wettkampf oder Halbmarathon hier und da muss reichen“ – ergibt bei mir einen stabilen 10km-Wochenschnitt.
  • Arthur konnte noch ein Swimrun Training mit dem „Wolfman“ im Hamburger Stadtpark einstreuen.
  • Der Rest war hin-und-her Getexte und 2-3 Telefonate.

Freitag, noch 2 Tage

Eigentlich haben wir nichts groß gemacht ausser nach dem passenden „Systembolaget“ = Alkohol-Dealer zu fahnden und die Sauna abzuchecken. Das Wetter war etwas weniger sonnig und in Boras Stadtfest mit netten Bands. Ich habe noch ein bisschen herumorganisiert für

Samstag, T -1

1450257_10207275822162192_5858351783505679584_nDa ich dieses Jahr noch nicht im Freiwasser trainiert habe und eh eine Frostbeule bin, die „so klein mit Hut“ nach der Lektüre zum Thema Kaltwasserschwimmen war, hatte ich im Vorfeld den Veranstalter Jonas Colting um das Organisieren eines Leihrades gebeten (Jonas ist ein Netter und gaaanz fitter, hat den Ultraman auf Hawaii zweimal gewonnen – das ist sowas wie Ironman für Erwachsene).
Denn Samstag war der Boras City Triathlon, ein „Triathlon-chen“ über 1/10tel Ironman-Distanz. Eine gute Gelegenheit, den Kälteschock vorwegzunehmen („warm-up“ ha, ha, ha…) und das Schwimmen war glücklicherweise „downhill“ im Fluss. Ausserdem muss ja jemand die braun-weissen Farben durch Schweden tragen!
Eine hochsympathische Veranstaltung, richtig roots-down mit so 100 Teilnehmern, ohne Pulsmessung, Uhr und dem Ziel für mich, so locker wie möglich durch den Wettkampf zu cruisen. Als ich mich auf der Laufstrecke mal fragte, wie lange ich wohl so unterwegs war habe ich zunächst die Passanten per Geste-auf-Arm nach der Uhrzeit gefragt. Diese waren alle sehr freundlich und haben sie mit mitgeteilt, leider auf Schwedisch… also habe ich einfach auf die Kirchturmuhr geschaut und wusste „irgendwas unter 1:10 wird’s werden“.

Nach 1:07 Stunden war ich dann im Ziel und leider eine Erkenntnis reicher:
Schwimmen in 10-12 Grad kaltem Wasser ist a) ars…kalt und b) ich habe keine Kältegewöhnung. Die Panikatmung stört etwas beim Versuch, zu schwimmen. Der Plan für das Rennen: die ersten 4 Schwimmabschnitte zur Eingewöhnung nutzen und dann halbwegs über die langen Seequerungen zu kommen.
Wetter am Samstag: etwas windiger, erster Regen.

SonnRenntag

Wetter: windiger, 13 Grad (Luft) bzw. die „nassen“ 10-12. Ich habe schliesslich einen Ruf zu verlieren in Sachen Kälterennen (Grüße an dieser Stelle an den Allgäu Triathlon, der 2015 schönes Wetter haben wird = Mic startet dort nicht).
Die Locals reden von „seit Jahren kein so kühles Frühjahr gehabt“ und „vor zehn Tagen hatte der See noch 7 Grad“.

Vom Rennen haben wir keine Bilder – vielleicht ist das auch besser so. hier pre-Race:
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Team Brun-Vit Likedeelers: Der Film ääh das Rennen

Die ersten 1,6 km – „Vertical Ascend“ – waren schön. Es ging hinauf zum Fjällsjön, ein etwas größerer Moortümpel mit Pups-Problem. Dort schwang sich Arthur in die Fluten und ich hinterher – ich wusste vom Vortag, dass es nur zum Verkrampften Brustschwimmen reichen wird. Wird schon werden, Gewöhnung ist alles.

Dann 2,4 km Trailrunning – wie für den Rest des Kurses zeigte sich, daß die Schweden das ernst meinen inkl. Moorlöchern und versinken bis zur Wade – und 2. Schwimmabschnitt. Nix da mit Gewöhnung bei mir und keine Ahnung was mit Arthur los ist. Warum kann der so schwimmen?!?

Wieder Laufen, 3. Schwimmen – die Abschnitte werden länger – keine Besserung in Sicht. Nach Marschroute hätte ich nunmehr zum Kraulen übergehen sollen, es läuft aber nicht besser als auf den ersten zehn Metern. Bin ich wirklich schwimmtechnisch gerade in der Ironman-Vorbereitung…?

Noch 1 „Übungsschwimmen“ und dann über den Laufabschnitt „Stairway to Heaven“ (der Name ist Programm) an die 800 Meter Seequerung wagen. Arthur merkt bereits dass bei mir rein gar nichts stimmt – ich bin mental schon lange raus aus dem Rennen, das gerade erst beginnt. Was auch immer er wie gemacht hat, wir (inkl. mir) machen weiter. Immer diese „doofen“ Ultras ;-)… da kann ich nur sehr dankbar sein. Für all die Schmerzen die noch kamen. Hatte ich schon erwähnt, dass das Wasser etwas frisch war…?

In einem „lebbaren“ Tandem-Schwimm-Setup ging es durch den Öresjö. Der am Donnerstag noch friedlich liegende See war inzwischen etwas welliger geworden, aber noch nicht dramatisch. Schön war das Aussteigen durch die Felsen am Ende…

Dann 1,5 km laufend etwas aufwärmen und wieder 650 Meter über den See. Wird welliger, nicht wärmer und bald kommt „das dicke Ding“…

Dreitausendsechshundertmeter hoch und runter. So lange können wir uns bei aufkommendem Wind überlegen, was wir tun wenn wir wieder unten am See sind. Dort am Checkpoint andere zweifelnde Teams  und Verpflegung. Der Wind nimmt zu und die Wellenhöhe ist bei ca. einem Meter angelangt. Ich schau erst mal auf den See – in 1,3 km Entfernung eine Rote Flagge, zu der wir kommen müssen. Jeder Meter Umweg zählt doppelt. Ich sehe das Security Boat (beruhigend! wichtig!!), checke meine Signalpfeife und los geht’s!
Beobachtung aus dem „great crossing“:

  • an den folgenden Tagen habe ich erstmals die Höhenmeter einer Schwimmstrecke hochgerechnet. Schätzung: 100-140 HM
  • Wind: Krault man einem Schwimmer hinterher, tröpfelt normalerweise das Wasser mit der Handbewegung zusammen nach vorne. Hier: Arm hoch und Wusch! das Wasser waagerecht nach links verblasen. Holy Moly!
  • Erfrierung: da kann man sich dabei zusehen. Fängt stets am kleinen Finger an – wenn der weg ist kommt der Ringfinger etc.pp. 2 ganze kleine- und zwei halbe Ringfinger blieben auf der Strecke. Das hilft nicht wirklich beim Kraulen.
  • Zehen sind nicht erfroren. Man sollte öfter in Laufschuhen schwimmen 🙂

Über eine Stunde haben wir für die Querung gebraucht. Auch Arthur war bedient. Es zog wie Hechtsuppe, stürmte, die Helfer froren und ich denke es gab Suppe – kann aber auch dem Delirium entsprungen sein.
Hier habe ich wohl meine große Chance verpasst, Arthur zur Aufgabe zu überreden… und wir hatten noch den Ratschlag von Jonas im Kopf: „Just keep on moving until you see the finishline“. Ausserdem gab es noch diesen Abschnitt mit Race-Memo/Regelwerk:

Bildschirmfoto 2015-06-24 um 22.06.20

Was soll man da machen… das gröbste war endlich vorbei und wir haben uns vorher schon gesagt: „nach dem 1,3 km kommt nur noch Pussykram“.

Pussykram

Dummerweise war der nun folgende Laufabschnitt nur 300 Meter lag – für die Fischstäbchen formerly-known-as Beine zu wenig. Es ging zum 300m-Schwimmabschnitt „Bridge over troubled Water“.
Das Gute daran zuerst: das war das wärmste Wasser des Tages! Ich schätze mal so 14 Grad, also gefühlt wie in der Badewanne.
Das Schlechte daran: es musste durch einen Fluss geschwommen werden. Stromaufwärts.
Wir hatten gerade erst die Killerpassage hier uns, Beine tot, Arme tot oder um es vereinfacht auszudrücken: die eigene Schwimmgeschwindigkeit sollte größer als die Fließgeschwindigkeit des Wassers sein. Das war sie nicht und wir hatten ein Problem.
DNF? Jetzt noch? Bitch please… die 300 Meter mussten absolviert werden, notfalls in einer Mischung aus Böschung-Hangeln und Kraul-Sprints quer über den Fluss. Diese Sprints waren die Hölle – du bist bei 110% und kommst gerade mal so ein bisschen vorwärts. Was habe ich hier die Welt, ganz Schweden, IKEA und die Erfinder des Swimrun verflucht.

Aber: geschafft. Wir fragen uns wo wir wohl so liegen und kommen zum Schluß: irgendwo alleine auf weiter Flur. Schließlich war klar: wir sind L-E-T-Z-T-E-R!! Das hatten wir beide so noch nicht…

Last Men standing

Zu uns hatte sich inzwischen der „Besen-Swimrunner“ gesellt. Natürlich eine weitere schwedische Ironman-Champ-Rakete und Ö till Ö Finisher, der uns „als Training“ hinterher folgte und die Markierungen einsammelte.
Und „Letzter“ ist relativ: es hatten 35% der Starter aufgegeben und das war dann doch wieder ein schönes Gefühl: „Mir sind die wo noch aufrecht stehen tun“

Entspannte 7 km Trailrun folgten nun. Für mich die schönste Phase des Rennens – es kam sogar wieder die Sonne heraus.
Zeit genug um sich darüber zu wundern, wie

  • aus dem Ultraläufer Arthur plötzlich ein Schwimm-Torpedo wurde
  • Ironman Mic plötzlich Nichtschimmer ist (jaja, ich konnte vorher schon nicht gescheit schwimmen. Aber immerhin schwimmen!)
  • Arthur a.k.a. „Laufwunder“ weniger kommod zu Fuß unterwegs ist wie Mic a.k.a. „faule Lauf-Sau“
  • welche Sieger – ääh – Finisher-Pose wir wählen werden
  • oder wie schnell wir die Sauna beim Camping hochgefahren bekommen

Und endlich war es wurst, was da noch an Schwimm- oder Laufgeplänkel kommen sollte – Pussykram eben. Unterhaltung hatten wir mit unserem netten Begleiter auch und alle Verpflegungsstellen haben sich dolle über unser Kommen gefreut (wahrscheinlich weil dann endlich Feierabend war).

Der Rest waren 5 Schwimm- und 5 Trailrun-Abschnitte zum Ziel. Ich würde fast behaupten es hat dort langsam Spass gemacht…

Gladiators

Am Ende wurde es nochmal richtig eng. Bei den letzten Schwimmabschnitten sahen wir die orangenen Badekappen eines anderen Teams vor uns… unser letzter Platz war in Gefahr!

So mussten wir noch ein letztes Mal alle Kräfte mobilisieren, um nicht versehentlich das andere Team zu überholen. Nachdem wir auch das geschafft haben dann der Zieleinlauf knapp unter 8 Stunden für 5 km Schwimmen / 30 km Lauf und es stimmt wirklich:
Geliebt werden die Sieger. Und die Letzten :-)!!

So gab es von Jonas Colting auch eine schöne Sektdusche aus der Magnumflasche zum Empfang und die Empfehlung: „Change into warmer clothes“. Warum nur?

Wolfman

Zum Vereinskollegen Wolfgang „Wolfman“ Grohe sei noch zu sagen, dass er mich „versehentlich“ auf die Boras-Idee gebracht hat – Kudos!
Ausserdem ist er nebst Schwager das wohl derzeit stärkste deutsche Swimrun Team „Team Gococo“ – Platz 6 in Boras!
Mit uns auf Rang 56 ist das doch ein schönes Mannschaftsergebnis für den FC St. Pauli Triathlon 🙂

Epilog

Würde ich wieder einen Swimrun machen? Mit Arthur: IMMER! Vielleicht in etwas wärmer…

Eine Woche später hat Axel Reusch auch den „Swimrun 21“ im Allgäu organisiert (eigentlich „Swim & Run 21“, klingt aber zu sehr nach Aquathlon), zu dem ich natürlich hinmusste – und prompt meinen Kampfanzug vergaß.
Bin trotzdem hin um wenigstens mitzulaufen – was bereits grenzwertig für meine kaputten Beine war – aber das Schwimmen im kalten Wasser habe ich schön gelassen. Irgendwie kein Bedarf… und:
Ich war dort der Einzige, der sich im Swimrun nichts mehr beweisen musste *brusttrommel* 😉

Quelle: http://allgaeu-ausdauer.de/

Next…

Jetzt heisst es Endspurt im Training für das Saison-Highlight: Hamburg, 18. Juli, 12:20 Uhr Schwimmer Familienstaffel mit meinen beiden Elfen!
Die Woche davor warm-up bei diesem Triathlon in Franken 😉 …

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  1. Pingback: Mic-O-Tour 2016 Soundtrack: Check! | the road to Borås

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